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Kurze Geschichten: 1. Ein kultivierter Abend

Eines Tages las sich ein älterer Herr, dem nur noch ein paar wenige dünne Haare aus dem Kopf wuchsten, die Zeitung durch und entdeckte eine Anzeige. Es handelte sich dabei um Werbung für eine Theateraufführung, die er sehen wollte. Sogleich beschloß er sich zwei Karten für die Abendaufführung zu bestellen. Er wählte die Nummer und wartete, doch es antwortete niemand, denn die Leitung war ständig belegt. Daraufhin ging er noch am selben Abend zum Theater und fand dort ein Plakat auf dem mit großer Schrift stand: Ausverkauft. Am nächsten Morgen stellte sich der Mann in eine große Schlange an und seine Hartnäckigkeit hat sich bezahlt gemacht. Er hat zwei Karten für die Abendaufführung ergattern können. Als seine Frau ihm die Tür öffnete, kam er springend und tanzend vor Freude in die Wohnung und erklärte ihr, dass sie noch am selbigen Abend, wie kultivierte Leute, ins Theater gehen würden. Die Freude über eine solche Überraschung war groß und so wuselte die Frau gleich ins Schlafzimmer, um nach dem passenden Kleid zu suchen. Sie suchte sich ein feines Abendkleid aus, das so schwarz war, wie die Nacht, und legte ihrem Mann einen feierlichen schwarzen Anzug für den Abend heraus.
Hinter den Fensterscheiben fing es an zu dämmern und, weil es wie gewöhnlich zu dieser Uhrzeit schon etwas kühl war, zogen sie sich noch Mäntel über, einen Hut und ein gepunktetes Kopftuch. Arm in Arm ging das kinderlose Ehepaar zur Bushaltestelle an der in Kürze ihr Bus hielt, doch er war so brechend voll, dass sie nicht einsteigen konnten. Die Zeit wurde knapp und sie wurden nervös. Zu Fuß eilten sie über die Straßen. Die Frau bemühte sich mit ihrem Mann, der sie fest am Arm hielt, Schritt zu halten. Schließlich sind sie doch noch rechtzeitig vor Aufführungsbeginn angekommen, gaben schnell ihre Mäntel an der Garderobe ab und machten sich auf die Suche nach ihren Sitzplätzen.
Das Spiel began und es wäre ein wunderbarer Abend geworden, wäre da nicht ein großer Mann mit einer sorgfältig polierten Glatze auf dem Sitz vor ihnen gesessen, der die Bühne verdeckte. Zum Unglück der beiden, saßen hinter ihnen zwei ältere Damen, die sich trotz Flüsterton recht laut unterhielten, geräuschvoll mit dem Bonbonpapier raschelten und die finsteren Blicke ignorierten. Nach der Aufführung stürzten sich die Besucher zur Garderobe und drückten sich gegenseitig erbarmungslos aus dem Weg.
Erschöpft ging unser Paar durch kalten Regen nach Hause.

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    Kurze Geschichten: 1. Ein kultivierter Abend

    Eines Tages las sich ein älterer Herr, dem nur noch ein paar wenige dünne Haare aus dem Kopf wuchsten, die Zeitung durch und entdeckte eine Anzeige. Es handelte sich dabei um Werbung für eine Theateraufführung, die er sehen wollte. Sogleich beschloß er sich zwei Karten für die Abendaufführung zu bestellen. Er wählte die Nummer und wartete, doch es antwortete niemand, denn die Leitung war ständig belegt. Daraufhin ging er noch am selben Abend zum Theater und fand dort ein Plakat auf dem mit großer Schrift stand: Ausverkauft. Am nächsten Morgen stellte sich der Mann in/an einer großen Schlange an und seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Er konnte zwei Karten für die Abendaufführung ergattern. Als seine Frau ihm die Tür öffnete, trat (kam) er springend und tanzend vor Freude in die Wohnung und erklärte ihr, dass sie noch am selbigen Abend, wie kultivierte Leute (es zu tun pflegen), ins Theater gehen würden. Die Freude über eine solche Überraschung war groß und so eilte/hastete/stürmte wuselte die Frau gleich ins Schlafzimmer, um nach dem passenden Kleid zu suchen. Sie suchte sich ein feines Abendkleid aus, das so schwarz war, wie die Nacht, und legte ihrem Mann einen feierlichen schwarzen Anzug für den Abend zurecht (heraus).
    Hinter den Fensterscheiben fing es an zu dämmern, und, weil es wie gewöhnlich zu dieser Uhrzeit schon etwas kühl war, zogen sie sich noch Mäntel über, er einen Hut und sie ein gepunktetes Kopftuch. Arm in Arm ging das kinderlose Ehepaar zur Bushaltestelle an der in Kürze ihr Bus hielt, doch er war so brechend voll, dass sie nicht einsteigen konnten. Die Zeit wurde knapp und sie wurden nervös. Zu Fuß eilten sie über die Straßen. Die Frau bemühte sich mit ihrem Mann, der sie fest am Arm hielt, Schritt zu halten. Schließlich sind kamen sie doch noch rechtzeitig vor Aufführungsbeginn an, gaben schnell ihre Mäntel an der Garderobe ab und machten sich auf die Suche nach ihren Sitzplätzen.
    Das Spiel begann und es wäre ein wunderbarer Abend geworden, säße da nicht ein großer Mann mit (einer) sorgfältig polierter Glatze auf dem Sitz vor ihnen, der die Bühne verdeckte. Zum Unglück der beiden, saßen hinter ihnen auch noch zwei ältere Damen, die sich trotz Flüsterton doch recht laut unterhielten (oder: .., die sich obwohl im Flüsterton trotzdem doch recht laut..), geräuschvoll mit dem Bonbonpapier raschelten und die finsteren Blicke ignorierten, die ihnen (von den sich gestört fühlenden Personen) zugeworfen wurden. Nach der Aufführung stürzten sich/stürmten die Besucher auf die/zur Garderobe und drückten sich gegenseitig erbarmungslos aus dem Weg.
    Erschöpft ging unser Paar durch den kalten Regen nach Hause.

     

    Du schreibst hervorragendes Deutsch. Ich würde hier durchgängig die selbe Zeit verwenden.

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