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Leonie
eine gegenthese zu Arbitrarität in Linguístik Bitte geben Sie eine gegenthese zu Arbitrarität in Linguístik
Jan 9, 2012 10:58 AM
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Dies ist keine einfache Frage. Für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung scheint die Habilitationsschrift von Heike Wiese hilfreich zu sein: http://www.uni-potsdam.de/u/germanistik/fachgebiete/geg-spr/pdfs/Wiese2003Arbitraritaet.pdf Aber man kann dazu vielleicht auch eine Meinung haben: Mein Eindruck ist, dass das Prinzip der Arbitrarität der Zeichensysteme durch die geschichtliche Entwicklung der Sprache und durch Ähnlichkeitsbeziehungen der Konzepte eingeschränkt, wenn nicht sogar aufgehoben wird. Neue Konzepte, für die die Notwendigkeit einer Bezeichnung entsteht, werden zunächst umschrieben. Wenn diese Konzepte aufgrund ihres häufigen Auftretens eine kürzere Bezeichnung benötigen, dann wird sich im Verlauf der Kommunikation der Beteiligten eine immer kürzere, praktischere, brauchbarere Konvention herausbilden. Motive bei der Entstehung solcher Konvention ist die Analogie (das "Master-Slave-Flipflop"), die Übernahme aus anderen Sprachen und Symbolsystemen (das "Conto", dann "Konto"; "schicklich" wurde zu frz. "chic", das wiederum zu dt. "schick"), die Reverenz-Erweisung ("Buckminster-Fulleren"), die radikale Kürzung ("Buckminster-Fulleren" wird zu "Buckyball"), die klangliche Nachbildung (das "Rödeln" einer Festplatte), und erst zuletzt kommt die Beliebigkeit. Ich glaube sogar, dass zumindest bei Wortneuschöpfungen die Beliebigkeit erst dann eintritt, wenn alle möglichen Formen der Analogie oder Entlehnung ausgeschöpft sind (z.B. "Quarks"). Erst wenn ein Symbolsystem voll geformt ist, erscheint die Zuordnung von Begriffen zu ihren Konzepten beliebig, auch wenn sie das Ergebnis einer mehr oder weniger langwierigen Entstehungsprozesses ist. Alles klar?
January 9, 2012
Leonie
Language Skills
Chinese (Mandarin), Chinese (Cantonese), English, German
Learning Language
English, German