Was ist Hinduismus?
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Was ist Hinduismus?

 

Als eine der größten Glaubensgemeinschaften weltweit hat der Hinduismus nicht nur zahlreiche Anhänger, sondern weckt auch bei Nicht-Hindus großes Interesse. Das liegt vor allem daran, dass diese Religion auf Traditionen, Philosophien und Kulturen zurückgeht, die für Außenstehende faszinierend sind. Doch woher kommt diese Glaubensrichtung eigentlich und was hat es mit den vielen verschiedenen Göttern im Hinduismus auf sich?

 

Diese und weitere Fragen beantworten wir dir in diesem Artikel. Lerne alles Wissenswerte über hinduistischen Polytheismus, verschiedene Ausprägungen des Hinduismus und welche Rolle der Guru für praktizierende Hindus spielt. Wenn dich das Thema interessiert, können wir vielleicht sogar dein Interesse wecken, Hindi zu lernen.

 

Wie ist der Hinduismus entstanden?

 

Der Hinduismus geht auf eine etwa 4000-jährige Entstehungsgeschichte zurück. Die Religion hat sich auf dem indischen Subkontinent entwickelt und vereint eine große Zahl verschiedenster Glaubensrichtungen. Sie alle bringen ihre eigenen Traditionen, Rituale und Lehren mit sich. Es ist also weniger eine festgeschriebene Religion als eine Sammlung religiöser Praktiken. Heute finden sich praktizierende Hindus überall auf der Welt. Die größten Glaubensgemeinschaften außerhalb Indiens gibt es neben den USA und Kanada vor allem auf Mauritius, in Großbritannien und Fidschi.

 

Anders als im Christentum geht der Name „Hinduismus“ nicht auf einen Religionsstifter wie zum Beispiel Jesus Christus zurück. Einen solchen gibt es in diesem Glauben nämlich nicht. Stattdessen war das Wort „Hindus“ ursprünglich eine regionale Bezeichnung für die Glaubensanhänger. So gibt es im heutigen Pakistan einen Fluss, den Indus, in dessen Nähe viele Menschen lebten, die diese traditionelle Religion praktizierten. Auf diese geht der Begriff zurück. Zur Religionsbezeichnung, wie wir sie heute kennen, wurde Hinduismus erst im 19. Jahrhundert unter westlich-kolonialem Einfluss. Als Eigenbezeichnung nutzen die Gläubigen eher die Sanskrit-Worte „sanatana dharma“, was so viel wie „ewiges Gesetz“ oder „ewige Religion“ bedeutet.

Was zeichnet die hinduistischen Religionen aus?

 

Rund 1,25 Milliarden Menschen praktizieren weltweit den hinduistischen Glauben. Damit machen gläubige Hindus ca. 15 Prozent der Weltbevölkerung aus. Mehr Anhänger haben lediglich der Islam und das Christentum. Doch ähnlich wie es beispielsweise Katholiken und Protestanten und andere christliche Ausprägungen gibt, gibt es auch nicht den „einen“ Hinduismus. Stattdessen wird die Religion häufig auch als „Einheit in der Vielfalt“ benannt, weil sie viele Glaubensströmungen in sich vereint.

 

Wie du dir bereits denken kannst, ist dieser Glaube mit seinen Ritualen und Traditionen sehr komplex. Der Hinduismus ist vor allem eine Lebenspraxis und nicht nur reine Religion. Im Unterschied zu Christentum oder Islam gibt es hier kaum fest verankerte Dogmen, die allgemeingültigen Charakter haben. Ein weiteres Merkmal ist, dass es nicht nur polytheistische Anschauungen gibt, wie im Westen häufig verallgemeinernd angenommen wird. Vielmehr gibt es zahlreiche polytheistische, panentheistische, monotheistische und sogar atheistische Strömungen. Sie alle haben eines gemein: den Glauben an den kosmischen Kreislauf von Geburt, Wiedergeburt und Erlösung. Damit ähnelt der Glaube sehr dem Buddhismus. Dieser Kreislauf spiegelt sich auch in der hinduistischen Götterwelt wider. In ihr spielen vor allem Brahma, der Schöpfer, Vishnu, der Erhalter und Shiva, der Zerstörer eine wichtige Rolle.

Religiöse Autoritäten und heilige Schriften

Religiöse Autoritäten und heilige Schriften

Im Hinduismus gibt es keine zentrale Autorität, wie du sie vielleicht aus Islam oder Christentum kennst. Stattdessen gibt es wichtige Oberhäupter für die unterschiedlichen Ausprägungen und Strömungen. Das hat zur Folge, dass es keine Lehren gibt, die für jeden praktizierenden Hindu Allgemeingültigkeit haben. Dennoch gibt es natürlich wichtige Grundlagen, auf denen die einzelnen Traditionen basieren. Diese Grundlage sind die sogenannten Veden (auch bekannt als „der Veda“). Dabei handelt es sich um die wichtigsten hinduistischen Schriften, die auch als Offenbarung verstanden werden. Die Veden bestehen aus vier Büchern und sind die älteste Literatursammlung des indischen Subkontinents. Sie werden gemeinhin auf den Zeitraum zwischen 1700 bis 500 v.Chr. datiert. Während die Veden die zentrale heilige Schrift sind, gibt es noch mehrere andere wichtige Schriften mit religiöser Autorität. Dazu zählen

 

  • die Upanishaden, eine weitere Offenbarung
  • der Epos Ramayana
  • der Epos Mahabharata mit der Bhagavadgita, einer der wichtigsten hinduistischen Schriften
  • sowie verschiedene Puranas, sogenannte Göttergeschichten.

 

Neben diesen zentralen Schriftstücken gibt es noch zahlreiche regionale Texte, sowohl in Sanskrit als auch in anderen Sprachen Indiens. Sie spielen vor allem für Mythologie und Kosmologie eine Rolle, aber auch für Wissenschaften wie Medizin und Mathematik. Auch kulturelle Themen wie Musik und Rituale werden in ihnen behandelt.

Die drei Hauptströmungen im Hinduismus

In den hinduistischen Religionen gibt es zahlreiche Gruppierungen mit eigenen Traditionen und Glaubensvorstellungen. Die meisten von ihnen können drei Hauptströmungen zugeordnet werden. Je nachdem, welchen Gott sie als Höchsten verehren, werden die Strömungen auch benannt. So gibt es

 

  • die Vishnuiten mit dem Gott Vishnu
  • die Shivaiten mit dem Gott Shiva
  • die Shaktas mit der Muttergöttin Shakti

 

Auch innerhalb dieser Gruppen gibt es wiederum unterschiedliche Sekten. Diese unterscheiden sich vor allem darin, wie sie die Hindu-Philosophien und wichtige Schriften auslegen. Dabei spielen auch die Gurus eine wichtige Rolle, auf die wir später noch ausführlicher eingehen werden. Wichtig ist zu wissen, dass sich zwar die Anschauungen unterscheiden können, die Menschen aber dennoch häufig gemeinsam feiern und beten.

Die Bedeutung von Hochkultur und Volksreligionen

Die hinduistischen Religionen werden oftmals noch auf einer weiteren Ebene unterschieden. So wird zum einen eine Hochkultur identifiziert, neben der es zum anderen verschiedene Volksreligionen gibt. Die Hochkultur zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur regionale Bedeutung hat. Außerdem stützt sie sich primär auf die ursprünglichen Überlieferungen von Sanskrit-Schriften. Ein drittes wichtiges Merkmal ist, dass sie von Priestern geführt wird, die der Brahmanen-Kaste angehören.

 

Im Unterschied dazu basieren die sogenannten Volksreligionen auf regionalen Traditionen. Diese Gruppierungen halten eigene Rituale, oftmals in einer der Regionalsprachen, ab und haben eigene Priester. Während sie in der Hochkultur vor allem Hochgötter, darunter Shiva und Vishnu, verehren, haben die Volksreligionen noch regionale Götter. Aber auch hier gilt wieder, dass es sich zwar prinzipiell um unterschiedliche Ausprägungen handelt, aber dennoch keine strikte Trennung erfolgt.

Shiva, Vishnu, Krishna: Die Götter im Hinduismus

 

Wie bereits erklärt, gibt es einige Götter, die in den hinduistischen Religionen eine zentrale Rolle spielen. Tatsächlich gibt es aber über 330 Millionen Götter und Göttinnen, wenn man die verschiedenen regionalen Gottheiten zusammenrechnet. Neben den Göttern spielen auch Heilige und Seher eine wichtige Rolle. Darüber hinaus gibt es auch Gottesvorstellungen, die keine feste Gestalt annehmen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Begriff des Brahmanen. Er steht im weitesten Sinne für die „Seele der Welt“.

 

Während im christlichen Glauben vor allem das Andenken von Heiligen verehrt wird, funktioniert die hinduistische Vorstellung etwas anders. In dieser Vorstellungswelt leben die zahlreichen Götter in den nicht minder zahlreichen Tempeln und Schreinen, aber auch in Flüssen, Seen, Pflanzen oder Tieren. Die Gläubigen verehren die Götter demnach auch an diesen besonderen Orten, aber auch zu Hause finden Rituale statt. Ein weiteres wichtiges Merkmal der Götter ist, dass sie viele verschiedene Namen tragen und in unterschiedlichen Verkörperungen auftreten können. Beispielsweise ist der Gott Vishnu vor allem in der Form des Krishna bekannt.

 

Zu den wichtigsten Göttern im Hinduismus zählen

 

  1. Brahma, der Schöpfer der Welt
  2. Saraswati, die Göttin der Weisheit
  3. Vishnu, der Erhalter der Welt
  4. Lakshmi, die Glücksgöttin
  5. Rama, der Liebhaber
  6. Hanuman, der Affen-Gott
  7. Krishna, der blaue Flötenspieler
  8. Shiva, der Zerstörer
  9. Parvati, die Gattin Shivas (auch bekannt unter den Namen Kali und Durga)
  10. Ganesha, der Elefantengott (Sohn des Shiva)
  11. Devi, die göttliche Mutter

 

Für sich alleine genommen stehen die Götter vor allem für besondere Charakterzüge oder Eigenschaften. Beispielsweise werden dem allein auftretenden Vishna zerstörerische, erhaltende und schöpfende Eigenschaften zugeschrieben. Treten Götter in Gruppen auf, verkörpern sie jeweils einzelne Merkmale, wie du dieser Auflistung entnehmen kannst.

Welche Rolle spielen Gurus?

Welche Rolle spielen Gurus?

Da es in den Religionen Indiens keine Gründerfigur gibt, die eine verbindliche Autorität darstellt, spielen die sogenannten Gurus eine wichtige Rolle. Der Begriff „Guru“ kommt aus dem Sanskrit und heißt übersetzt „Lehrer“. Seine Aufgabe ist es, seinen Schülern Wissen über den Glauben und seine Praktiken zu vermitteln. Darüber hinaus ist es sein Ziel, sie mithilfe seiner Lehren zur Erleuchtung zu führen. Neben der Rolle als religiöse Autorität und Lehrperson unterstützen Gurus ihre Anhänger auch in emotionalen, seelischen oder körperlichen Belangen. Vielleicht kennst du den Begriff zum Beispiel auch im Zusammenhang mit Yoga, wo Lehrer häufig auch als Guru bezeichnet werden. Interessanterweise muss es sich bei den Gurus nicht zwangsläufig um noch lebende Personen handeln. Gerne werden auch bereits verstorbene Persönlichkeiten als spirituelle Lehrer verehrt.

 

Neben den Gurus gibt es auch noch die Pandits und die Pujaris. Auch sie sind religiöse Gelehrte. Der Pandit beispielsweise ist im Sanskrit ausgebildet und ist Spezialist für die heiligen Schriften und wichtige Rituale. Die Aufgabe der Pujaris ist es, diese Rituale letztlich im Tempel durchzuführen. Ihre christliche Entsprechung wäre, im weitesten Sinne, wohl der Pfarrer. Hinduistische Rituale zeichnen sich häufig durch die musikalische Begleitung von Gesang, Trommeln und Glocken aus. Auch werden gerne Süßigkeiten, Blumen und Räucherwerk eingesetzt. Die Rituale werden dabei aber nicht nur im Tempel gefeiert, sondern auch zu Hause. So haben viele praktizierende Hindus zum Beispiel Hausaltare, zu denen bei besonderen Anlässen Priester eingeladen werden.

 

Lerne die Religionen, Traditionen und Sprachen Indiens kennen

 

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